Tiere fungieren seit jeher als Projektionsflächen, wobei bestimmte Tiermotive mit Vorstellungen wie Reinheit, Fruchtbarkeit, Wohlstand oder Schutz verknüpft sind und sich daher besonders eignen, um diese Bedeutungen auf Nahrung zu übertragen.
Historische Quellen belegen bereits um 6000 v. Chr die Herstellung tierförmiger Brote. In der Antike wurden solche Speisen bei kultischen Festen verwendet, während sich im Mittelalter tierische Symbolformen – insbesondere Lamm und Hase – im christlichen Kontext etablierten. Mit der Industrialisierung des Lebensmittelmarktes ab dem frühen 20. Jahrhundert erfuhren tierförmige Produkte eine neue Funktion: Sie wurden gezielt zur Emotionalisierung von Konsum, zur Ansprache von Kindern und zur Markenbindung eingesetzt. Produkte wie der Gummibär markieren den Übergang von rituell-symbolischer zu marktwirtschaftlich motivierter Gestaltung von Lebensmitteln.
Ein besonderes Beispiel ist der Mettigel: bereits im Mittelalter sind igelförmige Speisen als Zeichen von Festlichkeit und kulinarischer Kreativität belegt. In den 1950er- bis 1970er-Jahren entwickelte sich eine Kultur des dekorativen Essens, in der der Mettigel neben Käse-, Obst- und Eierigeln zum Party-Star wurde. Vorformen lassen sich bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen; die heute bekannte Ausprägung entstand vermutlich in den 1970er-Jahren, während der Begriff „Mettigel“ erst seit den 2000er-Jahren gebräuchlich wurde.
Kritisch zu betrachten ist, dass tierförmige Lebensmittel in der Gegenwart häufig mit hochverarbeiteten Produkten verbunden sind. Die ästhetische und emotionale Gestaltung kann dabei den Blick auf Nährwert, Inhaltsstoffe und Preis-Leistungs-Verhältnis verstellen. Insbesondere im Kontext von Kinderernährung fungiert die Tierform als wirksames Marketinginstrument, das Kaufentscheidungen lenkt und eine frühe Gewöhnung an künstliche Aromen begünstigt.
Aufgrund ihrer kulturellen und emotionalen Anschlussfähigkeit eignen sich Tiere daher in besonderem Maße zur Übertragung symbolischer Bedeutungen auf Lebensmittel.
Projekt von Rosa Blask, Vinzenz Emmerling, Lilofee Kroner, Rosalie Radke
„It’s raining Cats and Dogs – Mappings über die menschliche Sicht auf Tiere“
Zweiwöchiger Kurs im ersten Studienjahr, Wintersemester 2025/26
Grundlagen Visueller Gestaltung: Informationsdesign
Betreut von Anna Unterstab und Prof. Matthias Görlich
Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle
Teile des Projekts erstellt mit Hilfe von ChatGPT
















































































